In der 101. Spielsaison des Theaters Arth wagte man mit «Pariser Leben» von Jacques Offenbach
eine Reise in die französische Metropole. Der Spagat zwischen Zugersee und Paris kann unter der
Leitung von Regisseur Jean Claude Bordet als gelungen bezeichnet werden.
rico - Die 1866 in Paris uraufgeführte Operette «Pariser Leben» ist geprägt von eingängigen Melodien,
schmissiger Musik und Situationskomik. In ihrer Handlung gewährt sie Einblick in den Pariser Boulevard unter
Napoleon III. um 1860 – den Boulevard, mit all seinen Versuchungen, seiner Keckheit und Frivolität. Sehr
typisch für die Pariser Operette ist das Verwechslungsspiel, das Tauschen der Rollen, das auch hier vorkommt;
so wird beispielsweise der Lebemann Raoul zum Fremdenführer, Bedienstete und Handwerker zu vornehmen
Herrschaften.
Die richtige Mischung machts aus
Das erstklassige Orchester unter der bewährten Leitung von Michael Schuler intoniert Offenbachs Meisterwerk
exzellent. Der Laienchor von Esther Rickenbach ist präsent und setzt sich mehrmals sehr gut in Szene, so
etwa in der pulsierenden Bahnhofshalle beim Stück «Nach Paris ergiessen sich die Massen» oder später an
den rauschenden Festen. Musikalisch-humoristische Höhepunkte sind insbesondere die lustigen Musiknummern
über das Riesenloch in der Admiralsuniform («Eine Naht ist hinten aufgeplatzt»), Gondremarks Couplet oder
Gabrielles Jodel-Chanson. Das Publikum kann immer wieder von Herzen lachen. Die Harmonie des ganzen
Ensembles kommt eindrücklich zur Geltung, jede Geste, jeder Schritt ist bis ins kleinste Detail einstudiert.
Der Profigesang der Solisten fliesst nahtlos in den Gesang des Laienchors über; die prächtigen Kostüme von
Max Kaiser, das imposante fünfteilige Bühnenbild von Kristin Osmundsen und die glänzenden Darsteller
verschmelzen zur Einheit; ein junges quirliges Ensemble bringt mit frechem Tanz im Can-can-Stil zusätzlichen
Schwung in die Inszenierung.
Vorzügliche Solisten
Mit acht professionellen Solisten ist «Pariser Leben» ausgezeichnet besetzt. Ein Grossteil des gesamten
Ensembles war schon in den letzten Jahren mit dabei: Patrick Biagioli brilliert in seiner Rolle als Pariser
Lebemann Raoul de Gardefeu, dessen Leidensgenosse Bobinet Chicard wird von Marius Meier hervorragend
verkörpert. Als schwedischer Baron de Gondremark hat Beat Schwerzmann wiederum eine der Hautrollen inne,
die er glänzend umsetzt. Gleich vier erfahrene und namhafte Sopranistinnen geben heuer ihr Arther Debüt:
Sandra Spiess als vornehme Baronin Christine, Mélanie Adami als Halbweltdame Metella, Christa Fleischmann
als Handschuhmacherin Gabrielle und jodelnde Witwe und Marion Neubauer als Stubenmädchen Pauline. Der
stimmgewaltige Claus Gerstmann spielt den Bediensteten Urban, der sich königlich als falscher vornehmer Herr
amüsiert und Dieter Spielmann den Schuster Jean Frick der unsterblich in die Handschuhmacherin Gabrielle
verliebt ist. Zum vierten Mal in Serie mit dabei ist Michael Gniffke. Als Pompa de Matadores verkörpert er einen
reichen Brasilianer, der mit dem Geld regelrecht um sich wirft. Die Solisten werden in jeder Hinsicht stark
gefordert, insbesondere die durchwegs sehr schnellen Arien erfordern äusserste Perfektion und Professionalität.
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