Johann Strauss schuf den «Zigeunerbaron» in einer für ihn ungewöhnlich langen zweijährigen Arbeit. Beim
Anhören dieser hinreissenden Musik habe ich mich sofort für diese Arbeit entschieden. Neben der «Fledermaus»
und «Eine Nacht in Venedig» wurde das Werk nach der Uraufführung 1910 in der Semperoper von Dresden und
der Wiener Staatsoper zum größten Bühnenerfolg und wird noch heute oft gespielt. Mit seinen langen,
durchkomponierten Szenen ist «Der Zigeunerbaron» zweifellos keine gewöhnliche Operette. Das Werk trägt
den Charakter einer Spieloper und kommt der komischen Oper recht nahe.
Die romantische Operette spielt im Jahr 1741 oder 1742 in der ungarischen Puszta. Sie handelt von der grossen
Liebe, die keine gesellschaftlichen Schranken kennt, und von der wahren Freundschaft, die schlussendlich alle
Feindseligkeiten hinter sich lässt. Die berühmten Walzermelodien vereint mit ungarischer Volksmusik
begleiten den Zuschauer durch Strauss’ grössten Bühnenerfolg seines Lebens. Es ist auch ein Spiel um
Standesdünkel und Ausgrenzung der Zigeuner. Ausgerechnet aber die Zigeuner bewähren sich im Krieg
gegen Spanien und die Geschichte gipfelt in einem Happyend, wo sich 2 Paare endgültig finden. Stolze
Zigeuner und ihr Anführer Barinkay, schöne Zigeunerinnen, der Komiker Schweinezüchter Zsupan und seine
bezaubernde Tochter samt Dienerschaft, Liebespaare und Husaren, ein kleingeistiger Sittlichkeitskommissär,
freche Kinder und eine Tanzgruppe unter professioneller Choreographie beleben die Bühne und sind Teil dieser
romantischen Liebesgeschichte.
Die Musik von Johann Strauss bezaubert, verführt und beschwingt. Ich vertraue voll auf die bewährte Leitung
des Dirigenten Renato Botti und der Chorleiterin Esther Rickenbach. Als Regisseur lege ich Gewicht auf die
sprachliche und musikalische Pointiertheit. Ich werde den Biss und den Witz herausarbeiten, die Charaktere der
Figuren, die textliche Nuancierung und den Erotikfaktor.
Operette besteht nicht einfach aus schönen Melodien, die man losgelöst von der jeweiligen Operettengeschichte
konsumieren kann. Wir spielen nicht einfach ein Wunschkonzert beliebter Melodien ab. Die Operette ist weit
entfernt von der Oper und ihrem belcantesken Klangideal, vielmehr vom Vaudeville, Kabarett und Chanson
kommend und entsprechend rauh, exaltiert, unverbildet und direkt klingend. Ich bin auf Nuancen und Pointen
bedacht. Ich suche das Charakterporträt, nicht den anonymen Schöngesang. Wir wollen zeigen, dass die alte,
von der Kulturschickeria viel geschmähte Operette witzig, kitschig, zeitgemäß und schrill sein kann, gespickt
mit Komik und Sex Appeal.
Ich freue mich auf Sie, auf unser Publikum!